Zurück zur Übersicht

Eisen und Zink bei ADHS

Wenn Nährstoffmangel die ADHS-Symptome beeinflusst

Eine Sache, die geprüft werden sollte



Die meisten Gespräche über ADHS und Ernährung drehen sich um Zucker, Additiva, Omega-3. Das ist alles relevant.

Aber zwei Mikronährstoffe werden überraschend oft übersehen: Eisen und Zink. Beide sind direkt in die Dopaminsynthese involviert. Beide zeigen in Studien klare Zusammenhänge mit ADHS-Schwere.

Und beide lassen sich messen.

Eisen und das Dopaminsystem



Eisen ist ein Kofaktor von Tyrosinhydroxylase – dem Enzym, das Tyrosin in L-DOPA umwandelt, den unmittelbaren Vorläufer von Dopamin. Ohne ausreichend Eisen läuft dieser Schritt ineffizient.

Konofal et al. (2004) untersuchten Eisenwerte bei Kindern mit ADHS und verglichen sie mit einer Kontrollgruppe. Ergebnis: 84 Prozent der Kinder mit ADHS hatten Ferritin-Werte unter 30 µg/l – der Anteil in der Kontrollgruppe lag bei 18 Prozent. Das ist ein erheblicher Unterschied.

Konofal et al. (2008) folgten mit einer randomisierten kontrollierten Studie: Eisen-Supplementierung bei Kindern mit ADHS und niedrigem Ferritin verbesserte ADHS-Symptome nach 12 Wochen messbar. Nicht so stark wie Medikamente – aber signifikant.

Ferritin ist der wichtigere Wert als Serum-Eisen. Niedriges Ferritin bedeutet leere Eisenspeicher, auch wenn der Serum-Eisenspiegel noch normal erscheint.

Zink und die Dopamin-Serotonin-Balance



Zink spielt mehrere Rollen im Gehirn: Es reguliert die Dopaminrezeptor-Funktion, beeinflusst die Melatonin-Synthese und hat hemmende Wirkung auf den Dopamintransporter – also den Mechanismus, der Dopamin aus dem Synalspalt zurückfördert.

Arnold et al. (2005) analysierten Zinkwerte bei Kindern mit ADHS in einer Studie aus dem Iran, wo Zinkmangel häufiger ist. Kinder mit niedrigen Zinkwerten zeigten stärkere ADHS-Symptome. Zink-Supplementierung zeigte bescheidene aber messbare Verbesserungen.

Ein weiterer Befund: Zinkdefizit scheint die Wirksamkeit von Amphetaminen zu modulieren. Kinder mit höheren Zinkwerten sprachen auf niedrigere Stimulanziendosen an.

Was das im Alltag bedeutet



Wichtig: Eisen- und Zinkergänzung helfen nur, wenn ein Mangel vorliegt. Unkontrollierte Selbst-Supplementierung mit Eisen kann gefährlich sein. Zink in hohen Dosen hemmt die Kupfer-Absorption.

Das bedeutet: Bevor du supplementierst, messen lassen.

Was du testen lassen kannst:
- Ferritin (Eisenspeicher) – der relevantere Wert
- Serum-Zink oder Zink im Urin
- Optionales Zusatz: Kupfer (da Zink-Supplementierung die Kupferspiegel beeinflusst)

Das ist ein normales Blutbild bzw. ein erweitertes Blutbild beim Hausarzt oder der Hausärztin. Kein großer Aufwand.

Ernährung als Basis



Unabhängig von Testergebnissen: Lebensmittel reich an Eisen und Zink sind generell ernährungsphysiologisch sinnvoll.

Eisenreiche Lebensmittel:
- Rotes Fleisch (besonders gut verfügbares Häm-Eisen)
- Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen)
- Spinat, Grünkohl (plus Vitamin C verbessert die Aufnahme)
- Kürbiskerne, Sesam

Zinkreichige Lebensmittel:
- Austern (sehr hoher Gehalt)
- Rotes Fleisch
- Kürbiskerne, Hanfsamen
- Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte

Was die S3-Leitlinie empfiehlt



Die deutsche S3-Leitlinie ADHS erwähnt Nährstoffmängel als potenziell relevante Faktoren. Explizit empfohlen: Vor allem bei Kindern mit unklarer Symptomschwere oder schlechtem Ansprechen auf Standardtherapie sollte eine Mikronährstoffdiagnostik erwogen werden.

Das ist keine Nischenempfehlung – das ist medizinischer Konsens.

Wenn du ADHS hast und deine Werte noch nie gemessen wurden: Das ist eine Frage, die du beim nächsten Arzttermin stellen kannst.

---

Disclaimer: Dieser Artikel dient der Aufklärung und ersetzt keine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung. Supplementierung sollte nur nach ärztlicher Abklärung erfolgen.

Quellen



- Konofal, E., et al. (2004). Iron deficiency in children with attention-deficit/hyperactivity disorder. *Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine*, 158(12), 1113–1115. [PubMed](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15583094/)
- Konofal, E., et al. (2008). Effects of iron supplementation on attention deficit hyperactivity disorder in children. *Pediatric Neurology*, 38(1), 20–26. [PubMed](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18054688/)
- Arnold, L.E., et al. (2005). Zinc for attention-deficit/hyperactivity disorder. *Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology*, 15(4), 628–636. [PubMed](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16190793/)