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ADHS in Zahlen: geprüfte Kennzahlen mit Primärquelle
Sieben Zahlen, die einer Prüfung standhalten. Jede nennt ihre Studie und ihre Stichprobe.
Zuletzt geprüft: 13. September 2026 Jede Zahl hier stammt aus einer Arbeit, die am Prüftag erreichbar war, und steht dort auch wirklich drin. Was sich nicht belegen ließ, habe ich weggelassen.
Die Zahlen
- 2,58 % der Erwachsenen weltweit haben persistierendes ADHS, also eine Symptomatik, die schon in der Kindheit begann. Systematische Übersicht und Metaanalyse, bereinigt um die globale Altersstruktur 2020.1
- 6,76 % zeigen symptomatisches ADHS, unabhängig davon, ob ein Kindheitsbeginn belegt ist. Das sind rund 366 Millionen Menschen.1
- 5,29 % beträgt die weltweit gepoolte Prävalenz bei Kindern und Jugendlichen, berechnet per Metaregression über Studien aus allen bewohnten Kontinenten.2
- 43 % der Erwachsenen mit klinisch relevanten ADHS-Symptomen berichten deutliche Insomnie-Symptome. Gegenüber der Allgemeinbevölkerung ist das ein 2,7-fach erhöhtes Risiko (OR = 2,66; 95 %-KI 1,74–4,07). Bevölkerungsstichprobe, n = 4.618.3
- 41 % derselben Gruppe schlafen 6 Stunden oder weniger pro Nacht.3
- 84 % der Kinder mit ADHS hatten Ferritinwerte unter 30 µg/l. In der Kontrollgruppe waren es 18 %.4
- 208 empirisch abgesicherte Aussagen über ADHS hat die World Federation of ADHD zusammengetragen, bestätigt von 80 Fachleuten aus 27 Ländern. Aufgenommen wurden nur Studien mit über 2.000 Teilnehmenden oder Metaanalysen aus mindestens fünf Studien.5
Warum die Liste so kurz ist
Sieben Zahlen sind wenig für eine Statistikseite. Der Grund ist simpel: Ich habe jede Angabe daraufhin geprüft, ob die zitierte Arbeit existiert, ob Jahr und Journal stimmen und ob die Zahl tatsächlich darin steht. Was das nicht überstanden hat, ist weg, auch wenn es plausibel klang.
Dazu kommt: Eine Prozentzahl ohne Bezugsgröße sagt nichts. Bei "68 Prozent der Betroffenen" bleibt offen, wer befragt wurde und wie viele. Deshalb steht bei jeder Zahl hier, aus welcher Gruppe sie stammt.
Wie häufig ist ADHS?
Bei Erwachsenen hängt die Antwort daran, wie man fragt. Verlangt man einen belegten Beginn in der Kindheit, liegt die Prävalenz bei 2,58 %. Zählt man alle, die heute die Kriterien erfüllen, sind es 6,76 %.1 Beide Zahlen stammen aus derselben Metaanalyse. Wer sie gegeneinanderstellt, vergleicht zwei Definitionen und nicht zwei Populationen.
Bei Kindern und Jugendlichen liegt die weltweit gepoolte Schätzung bei 5,29 %.2 Dieselbe Arbeit zeigt, dass die auffälligen Unterschiede zwischen Ländern überwiegend daher rühren, wie erhoben wurde, und nicht daher, wo.
Wie stark ist der Schlaf betroffen?
43 % der Erwachsenen mit klinisch relevanten ADHS-Symptomen berichten deutliche Insomnie-Symptome, gemessen mit der Insomnia Rating Scale an einer Bevölkerungsstichprobe von 4.618 Personen.3 41 % schlafen sechs Stunden oder weniger.
Das Risiko für klinisch relevante Insomnie liegt damit beim 2,7-Fachen der Allgemeinbevölkerung.
Was ist mit Eisen?
In einer Untersuchung an Kindern mit ADHS hatten 84 % Ferritinwerte unter 30 µg/l, in der Kontrollgruppe waren es 18 %.4 Ferritin bildet die Eisenspeicher ab, und Eisen ist an der dopaminergen Signalübertragung beteiligt.
Das ist ein Zusammenhang und kein Nachweis einer Ursache. Die Arbeit zeigt, dass niedrige Speicherwerte in dieser Gruppe häufiger vorkommen. Sie zeigt nicht, dass sie ADHS auslösen, und erst recht nicht, dass Nahrungsergänzung etwas daran ändert.
Was hier fehlt
Drei Kennzahlen, die auf Statistikseiten oft auftauchen, stehen bewusst nicht auf dieser Seite.
Zum durchschnittlichen Diagnosealter und zum Geschlechterverhältnis habe ich keine Primärquelle gefunden, deren Zahl ich belegen kann. Und der oft zitierte Anteil der Erwachsenen mit RSD geht auf eine Schätzung in einem Magazinbeitrag zurück, nicht auf eine Studie. Geschätzt ist nicht gemessen.
Falls sich dafür belastbare Arbeiten finden, ergänze ich die Zahlen.
Quellen prüfen
Alle Quellen stehen unten mit DOI und PubMed-Link. Die Zahlen lassen sich in den Abstracts nachlesen, ohne Paywall.
Footnotes
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Song, P., et al. (2021). The prevalence of adult attention-deficit hyperactivity disorder: A global systematic review and meta-analysis. Journal of Global Health, 11, 04009. DOI 10.7189/jogh.11.04009 · PubMed 33692893 ↩ ↩2 ↩3
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Polanczyk, G., et al. (2007). The worldwide prevalence of ADHD: a systematic review and metaregression analysis. American Journal of Psychiatry, 164(6), 942–948. DOI 10.1176/ajp.2007.164.6.942 · PubMed 17541055 ↩ ↩2
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Wynchank, D., et al. (2018). The Association Between Insomnia and Sleep Duration in Adults With ADHD: Results From a General Population Study. Journal of Clinical Sleep Medicine, 14(3), 349–357. DOI 10.5664/jcsm.6976 · PubMed 29458702 ↩ ↩2 ↩3
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Konofal, E., et al. (2004). Iron deficiency in children with attention-deficit/hyperactivity disorder. Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine, 158(12), 1113–1115. DOI 10.1001/archpedi.158.12.1113 · PubMed 15583094 ↩ ↩2
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Faraone, S. V., et al. (2021). The World Federation of ADHD International Consensus Statement: 208 Evidence-based conclusions about the disorder. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 128, 789–818. DOI 10.1016/j.neubiorev.2021.01.022 · PubMed 33549739 ↩
Quellen
- Song, P., Zha, M., Yang, Q., Zhang, Y., Li, X., & Rudan, I. (2021). The prevalence of adult attention-deficit hyperactivity disorder: A global systematic review and meta-analysis. *Journal of Global Health*, 11, 04009.
- Polanczyk, G., de Lima, M. S., Horta, B. L., Biederman, J., & Rohde, L. A. (2007). The worldwide prevalence of ADHD: a systematic review and metaregression analysis. *American Journal of Psychiatry*, 164(6), 942--948.
- Wynchank, D., ten Have, M., Bijlenga, D., Penninx, B. W., Beekman, A. T., Lamers, F., de Graaf, R., & Kooij, J. J. S. (2018). The Association Between Insomnia and Sleep Duration in Adults With Attention-Deficit Hyperactivity Disorder: Results From a General Population Study. *Journal of Clinical Sleep Medicine*, 14(3), 349--357.
- Konofal, E., Lecendreux, M., Arnulf, I., & Mouren, M. C. (2004). Iron deficiency in children with attention-deficit/hyperactivity disorder. *Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine*, 158(12), 1113--1115.
- Faraone, S. V., Banaschewski, T., Coghill, D., et al. (2021). The World Federation of ADHD International Consensus Statement: 208 Evidence-based conclusions about the disorder. *Neuroscience & Biobehavioral Reviews*, 128, 789--818.